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Ausstellung : „Das unschuldige Auge“
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Kunstsammlung der Universität Ausstellung : „Das unschuldige Auge“

Rund 130 Exponate umfasst die Ausstellung „Das unschuldige Auge - Orientbilder in der frühen Fotografie (1839-1911)“, die am Donnerstagabend in der Kunstsammlung der Universität eröffnet wurde. Darunter finden sich absolute Raritäten wie das erste Foto, das von Mekka aufgenommen wurde.

Quelle: Wenzel

Göttingen. Verwischte Schemen ziehen sich auf der Fotografie um die ­Kaa­ba im Innenhof der Heiligen Moschee in Mekka. Pilger haben die Spuren im Bild hinterlassen. Denn die Belichtungszeit der Kamera war bei der Entstehung des Fotos im 19. Jahrhundert noch sehr lang. Die Menschen, die sich um den großen schwarzen Block, das größte Heiligtum des Islam, bewegten, konnte Muhammad Sadiq Bey, der erste arabische Fotograf überhaupt, nur als Wischer festhalten. Dieses erste Foto, das jemals von Mekka aufgenommen wurde, ist eines der Prunkstücke der Ausstellung - nicht das einzige.

Unterschiedliche Blickwinkel und Motivationen

Die Schau, die zu rund 90 Prozent aus den Sammlungsbeständen zusammengestellt wurde, ist unterteilt in fünf Kapitel. Sie zeigt Werke die entstanden sind nach der Erfindung der Fotografie 1839 bis zum Ersten Weltkrieg. Der Kern ist der unterschiedliche Blickwinkel und Motivationen von Fotografen, die ihre Bilder im Nahen Osten aufgenommen haben und damit die westliche Vorstellung des Orients wesentlich geprägt haben.

Denn das, was abgelichtet wurde, war meist nicht die Wirklichkeit, wie es das Medium Fotografie nahelegt. Es gehe darum, „auch zu lernen, ihren Versprechungen zu misstrauen“, erläuterte Prof. Manfred Luchterhandt. Gemeinsam mit Studenten eines Masterseminars haben die Kuratorinnen Lisa Roemer und Verena Suchy die Ausstellung entwickelt.

Begleitprogramm zur Ausstellung

Dort Ausstellung läuft bis Sonntag, 17. September. Sie ist sonntags von 10 bis 16 Uhr geöffnet. Einige Vorträge begleiten die Schau. Am Mittwoch, 10. Mai, spricht Prof. Felix Thürlemann über das Thema „Im Hinterhof der Fotografie. Wie die Europäer im 19. Jahrhundert den ägyptischen Alltag inszenierten“. Am Mittwoch, 14. Juni, referiert Dr. Stefanie Klamm über „Die Fotografie auf archäologischen Ausgrabungen. Behauptungen eines Mediums“. Beide Vorträge im Hörsaal PH12, Nikolausberger Weg 15, beginnen um 18.30 Uhr. In der Reihe „Kunstwerk des Monats“ sind die Fotografen Francis Frith (7. Mai), Maxime Du Camp (4. Juni) und Emile Béchard (3. September) Thema. Diese Vorträge im Hörsaal im Alten Auditorium, Weender Landstraße 2, beginnen um 11.30 Uhr. Ein aufwendiger Katalog soll in etwa einem Monat erscheinen. pek

Zum Einstieg sind Orientbilder aus der Zeit vor Erfindung der Fotografie zu sehen. Daran angrenzend finden sich Aufnahmen, die Pioniere der Orientfotografie wie Maxime du Camp, Francis Frith und Wilhelm Hammerschmidt gemacht haben. Auch das erste Fotobuch, das jemals erschienen ist, zusammengestellt von du Camp, liegt in einer Vitrine. Teil drei zeigt die touristische Erschließung des Orients, die mit dem Aufkommen von Schiffsreisen einhergeht. Dort finden sich auch Arbeiten von westlichen Fotografen, die die ersten waren, die in Ägypten Fotostudios eröffneten und die Touristen mit gestellten Fotos versorgten.

Beginn der Orient-Fotografie

Das vierte Kapitel schildert Palästina als Land der Religion, und der letzte Abschnitt präsentiert den Orient, wie Experten in gesehen haben. Hier sind Fotografien zu sehen, die zwei ausgewiesene Orient-Kenner hinterlassen haben: Friedrich Sarre (1865-1945, Gründungsdirektor des Islamischen Museums in Berlin, und Gustaf Dalman (1855-1941), erste Direktor des Deutschen Evangelischen Instituts in Jerusalem. Auch sie stehen für den Beginn der Orient-Fotografie. Denn zu der Zeit wurden die Bilder nicht von Künstlern, sondern von Unternehmern, Verlegern, Wissenschaftlern und anderen aufgenommen.

Universitätspräsidentin Prof. Ulrike Beisiegel würdigte die Exponate als „einen weiteren Schatz der kunstgeschichtlichen Sammlung“. Als „stilvoll und elegant“ schätzte Luchterhandt die Ausstellung ein. Darüber hinaus ist sie aber auch spektakulär, erhellend und unbedingt sehenswert.

BU: Lisa Roemer, Kuratorin der Ausstellung in der Kunstsammlung der Universität

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