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Sprache der ersten türkischen Hochkultur
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Wissenschaftler erstellen das größte Wörterbuch des Altuigurischen Sprache der ersten türkischen Hochkultur

Das weltweit größte Wörterbuch des Altuigurischen erstellt in den kommenden 24 Jahren eine Projektgruppe der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen. Altuigurisch spielt bei den Turksprachen eine ähnliche Rolle wie das Latein bei den romanischen Sprachen.

Göttingen. „Die Uiguren waren das erste Turkvolk, das eine Hochkultur begründet hat“, berichtet Prof. Jens Peter Laut. Unter seiner Leitung untersuchen vier Forscher den uigurischen Wortschatz sprachwissenschaftlich und übersetzen ihn ins Deutsche sowie ins Türkeitürkische. Uigurische Reiche, so der Turkologe, bestanden 500 Jahre lang, vom 8. bis 13. Jahrhundert, in der Mongolei und entlang der Seidenstraße. Allein die Berliner Turfansammlung kenne 13.500 Textfragmente aus dieser Zeit. Die meisten dieser Texte entdeckten Wissenschaftler Anfang des 20. Jahrhunderts bei Expeditionen in der heute chinesischen Provinz Xinjiang entdeckt.

„Die Fragmente sind seither in mühsamer Puzzlearbeit zusammengesetzt und größenteils ediert worden“, sagt Laut. Lediglich vier, fünf längere, gut erhaltene Texte gebe es: religiöse Schriften. Die Uiguren bekannten sich zum Buddhismus, Manichäismus und zum Christentum bekannt. Daneben liegen weltliche Dokumente vor, etwa Pachtverträge.„Vorreiter bei der lexikalischen Erschließung des Altuigurischen ist der Göttinger Turkologe Prof. Klaus Röhrborn“, betont Laut. Röhrborn, der der Leitungskommission des Projekts vorsitze, habe in 40-jähriger Forschungsarbeit das Wortmaterial der ersten beiden Buchstaben A und Ä veröffentlicht.

Von ihm stamme auch die mittlerweile digitalisierte Verzettelung eines großen Teils des altuigurischen Wortmaterials, auf dem das Akademie-Projekt mit seinen geplanten 25.000 Einträgen aufbaue.„Das Deutsche kennt rund 500.000 Wörter“, nennt Laut eine Vergleichszahl. Das geplante Wörterbuch werde also aufgrund der eingeschränkten Quellenlage nur einen Teil des altuigurischen Wortschatzes umfassen. Mit den Funden weiterer großer Texte rechne er jedoch nicht. China habe wenig Interesse an dieser Forschung. Die Regierung fürchte, dass sie separatistische Bestrebungen unter den heutigen Uiguren Xinjiangs befeuern könne. Deshalb werde das Wörterbuch auch nicht in Xinjiang, sondern in Deutschland erstellt.

„Die Ursprungsheimat der Turkvölker liegt in der heutigen Mongolei“, weiß Laut. Von dort breiteten sie sich an der Seidenstraße entlang bis nach Anatolien aus.  Nachdem das uigurische Reich von den Mongolen zerschlagen worden sei, habe der Aufstieg anderer Turkvölker begonnen. Eines der mächtigsten seien die Osmanen gewesen.„Die türkischen Nationalisten, die 1923 unter Kemal Atatürk auf den Trümmern des Osmanischen Reichs die Türkische Republik gründeten, waren sehr an den Forschungen über die nichtislamischen Uiguren interessiert“, weiß Laut. Das sei bei der heute regierenden AKP, die sich mehr für die muslimischen Osmanen begeistere, kaum mehr der Fall. Zudem verloren mehrere Experten nach dem Putschversuch im Sommer 2016 ihre Stelle an der Universität. Eine junge Wissenschaftlerin, die in Göttingen promoviert worden sei, sitze heute als angebliche Gülen-Anhängerin im Gefängnis.

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