Menü
"Kirche - Staat - Politik"
Klein Mittel Groß

SPD-Politiker Oppermann: Kirche soll sich einmischen "Kirche - Staat - Politik"

Die Frage „Konsequente Trennung von Staat und Kirche – eine zeitgemäße Forderung?“ hat der Göttinger SPD-Bundestagsabgeordnete Thomas Oppermann am Donnerstag erörtert. Er sprach zum Abschluss der Vortragsreihe „Kirche – Staat – Politik: Perspektiven auf ein komplexes Verhältnis“ an der Universität Göttingen.

Gebet in einem Andachtsraum.

Quelle: dpa

Göttingen. Bis in den Keller der Theologicums am Platz der Göttinger Sieben ist Thomas Oppermann während seines Jura-Studiums an der Georgia Augusta nie vorgedrungen. Nun bezog er dort in seinem Seminarraum Stellung zu einem immer dringlicher erscheinenden Thema. Ist eine Trennung von Kirche und Staat nach dem französischen Vorbild des Laizismus eventuell eine Notwendigkeit angesichts der rasanten Veränderungen in Bezug auf Religionszugehörigkeit in Deutschland? Oppermann erkennt an, dass Forderungen wie diese nur zu verständlich sind.

Thomas Oppermann.

Quelle: dpa

Die Zahl der Kirchenmitglieder sinke jedes Jahr drastisch. In Deutschland lebten mittlerweile 4 Millionen Muslime und zahlreiche Anhänger anderer Religionen. So steige der Pluralisierungsdruck und die zentrale Frage sei: „Wie wollen wir es halten mit der Religion in Deutschland?“ Er selbst halte es allerdings für falsch, Religion als reine Privatsache zu behandeln. Und dies auch als Mitglied der SPD und deren historisch bedingt lange Zeit schwierigen Verhältnisses zur Religion.

Der Politiker begründet dies auch rein praktisch: Eine religiöse Weltanschauung setze Ressourcen wie Nächstenliebe frei, die sonst in diesem Maße nicht vorhanden wären. Das könne man aktuell in der Flüchtlingskrise sehen. Ganz klar leiste die Kirche ihren Beitrag zum sozialen Miteinander und so sei sie – wie auch das vorherrschende kooperative Modell zwischen Staat und Kirche – nicht zu ersetzen. Eine Schwächung der Kirche bedeute nicht mehr Freiheit und Pluralität, so seine differenzierte Antwort.

„Die Kirche darf und soll sich einmischen“, sagte Oppermann. Dabei seien die Grenzen der Religionsfreiheit aber immer wieder neu auszuhandeln, was in Deutschland seiner Meinung nach auch geschehe. Als bekanntes Beispiel nannte der Politiker die Debatte um das Kopftuchverbot von Lehrerinnen oder die Beschneidung von Jungen. Mit der Diversität in Bezug auf Religion umzugehen, sei eine anspruchsvolle Aufgabe und ohne „Leitplanken“ gehe es in einer multikulturellen Gesellschaft nicht. Diese seien für ihn Werte wie Gewaltverzicht, Respekt und Toleranz, die für alle gelten müssen.

Die Vortragsreihe „Kirche – Staat – Politik: Perspektive auf ein komplexes Verhältnis“ wird im Sommersemester fortgesetzt. Organisiert wird sie vom Lehrstuhl für Vergleichende Politikwissenschaft und Politische Ökonomie von Prof. Andreas Busch und einer von der Deutschen Forschungsgemeinschaft finanzierten Forschergruppe, die seit 2013 in Göttingen und München die Rolle des Protestantismus in den ethischen Debatten der „Bonner Republik“ erforscht.

Von Marie Varela

E-Mail facebook twitter google+WhatsApp
Voriger Artikel: Austausch zwischen Göttingen und Cambridge
Nächster Artikel: Neues Angebot der Universität Göttingen

Kommentare im Forum